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Wenn der Herbst juckt

13.01.2026

Herbstgrasmilben: klein, fies – und überall

Obwohl wir jedes Jahr damit zu kämpfen haben, vergesse ich es doch immer wieder – bis die ersten roten Pünktchen auf meinem Bauch auftauchen und das furchtbare Jucken beginnt. Dann weiß ich sofort: Mist, es ist wieder Herbstgrasmilbenzeit. 😖

Dieses Jahr war es genauso. Ich habe einen Biss bei mir entdeckt und direkt gewusst, was los ist. Also habe ich sofort auch meine Hunde untersucht – und tatsächlich: ein leichter Befall an Bambis Pfoten und bei Maya in den Augenbrauen. Wie ich es hasse!!!! Aber aufregen nützt ja nichts und da dachte ich mir, nutz ich doch mein Wissen und erzähl euch heute davon.

Was sind Herbstgrasmilben?

Die Herbstgrasmilbe gehört zu den Spinnentieren und durchläuft – wie alle Milben – mehrere Entwicklungsstadien: Ei → Larve → Nymphe → erwachsene Milbe. Wichtig zu wissen: nur die Larven sind parasitisch – das bedeutet, sie leben eine Zeit lang auf einem Wirt (Hund, Katze, Maus oder eben auch Mensch), den sie beißen und sich dort von Blut und Gewebeflüssigkeit ernähren. Die Bisse verursachen den starken Juckreiz und die typischen roten Pünktchen.

Sobald die Larve sich zur Nymphe weiterentwickelt, ist die Gefahr vorbei. Ab diesem Stadium lebt die Milbe vegetarisch und sucht keinen Wirt mehr. Das Gute daran: die „Juckzeit“ ist begrenzt. Meist tritt sie von August bis Oktober auf – danach verschwinden die Probleme von selbst, weil die Milben ihren Zyklus beendet haben.

Woran erkennt man Herbstgrasmilben?

Herbstgrasmilben sind winzig kleine, orangefarbene Pünktchen, die man mit bloßem Auge sehen kann. Je geschulter das Auge, desto leichter erkennt man sie – am Anfang fallen sie oft erst dann auf, wenn sie in kleinen „Nestern“ sitzen und viele Larven an einer Stelle kleben.

Beim Hund zeigen sich Befall und Symptome auf zwei Wegen: zum einen durch das direkte Erkennen der Milben, zum anderen durch die Reaktion des Hundes. Typisch sind starker Juckreiz, Lecken und Knabbern – besonders an den Pfoten. Häufig betroffen sind die Zehenzwischenräume, aber auch Augenbrauen, Ohren und die Brust vor allem bei Hunden, die gerne nach Mäusen buddeln. Grundsätzlich können sie sich überall festsetzen, bevorzugen aber diese Stellen. 

Für die Larven sind gerade kleine Nagetiere (Mäuse, Wühlmäuse) die Hauptwirte, weil diese häufig in Bodennähe unterwegs sind. Deswegen findet man Herbstgrasmilben besonders dort, wo viele Mäusepopulationen leben – z. B. auf Wiesen oder Waldrändern.

Auch wir Menschen bleiben nicht verschont. Entweder wir sammeln Milben am Spaziergang mit unserem Hund selbst ein (am wahrscheinlichsten) oder wenn wir uns mit unserem Hund Couch und Bett teilen, können die Milben den Wirt wechseln.

👉 Kurz gesagt: Wir stecken uns nicht gegenseitig an – aber wir können uns beide am gleichen „Zwischenstopp“ der Milben (z. B. Sofa, Bettdecke) Bisse abholen.

Herbstgrasmilben beißen uns Menschen bevorzugt dort, wo es warm ist oder Kleidung eng anliegt – zum Beispiel an Bauch, Taille oder in den Kniekehlen. Wie stark man reagiert, ist wieder sehr individuell: Ich selbst reagiere leider extrem sensibel, bekomme große, rote Punkte und starkes, anhaltendes Jucken. Mein Mann hingegen hat nur kleine Pünktchen, die zwar auch jucken, aber eher wie ein kurzer Mückenstich schnell wieder abklingen. Jeder, der schon einmal über längere Zeit mit Juckreiz zu tun hatte, weiß, wie nervenzehrend und belastend das sein kann.

Abgrenzung zu anderen Ursachen

Wenn du dir unsicher bist, ob es wirklich Herbstgrasmilben oder vielleicht andere Parasiten wie Flöhe sind, lass es beim Tierarzt abklären. Ein einfacher Trick für euren TA-Besuch: Drücke einen Tesafilmstreifen auf die betroffene Stelle, klapp ihn zusammen und nimm ihn mit – so kann der Tierarzt unter dem Mikroskop sicher bestimmen, womit ihr es zu tun habt.

Akute Hilfe & Vorbeugung im Alltag

Wenn dein Hund bereits Herbstgrasmilben eingesammelt hat, helfen einfache Maßnahmen: Pfoten nach jedem Spaziergang gut waschen, am besten ein paar Minuten im Wasser einweichen lassen – so lösen sich die Milben leichter aus den Haaren. Ein mildes Hundeshampoo kann zusätzlich unterstützen. Bei stärkerem Befall können Medikamente sinnvoll sein, das bitte immer mit deinem TA besprechen, um das passende Präparat für deinen Hund zu finden. Meine Hunde bekommen z. B. Simparica-Kautabletten, die sie sehr gut vertragen und die uns helfen. 

Vorbeugend ist es sinnvoll, Spaziergänge in hochbelasteten Gebieten zu meiden. Bei uns sind es vor allem bestimmte Wiesen am Main, die wir in dieser Zeit einfach umgehen. 

Ein einfacher Trick, um herauszufinden, ob eure Wiese oder euer Garten befallen ist: Leg ein weißes Blatt Papier (am besten an einem sonnigen, trockenen Tag) für ca. 10–15 Minuten auf das Gras. Wenn sich darauf orangefarben-rötliche Pünktchen ansammeln, handelt es sich wahrscheinlich um Herbstgrasmilben – ein Zeichen, dass dieser Bereich gemieden werden sollte.

Zusätzlich haben wir dieses Jahr gute Erfahrungen damit gemacht, die Pfoten vor dem Spaziergang mit Kokosöl einzureiben – vor allem die Zehenzwischenräume. Nach dem Spaziergang kontrollieren und waschen wir die Pfoten direkt. Die Kombination aus Kokosöl und gründlicher Reinigung hat bei uns den Befall deutlich reduziert.

Auch Hygiene zuhause hilft: regelmäßig saugen, Couch und Teppiche reinigen, Hundebetten und Menschenbetten frisch beziehen. Das ist sowohl vorbeugend als auch im Akutfall wichtig, damit die Milben nicht länger in der Umgebung überleben können.

Und weil nicht nur die Hunde betroffen sind: Ich selbst reagiere leider extrem empfindlich auf Herbstgrasmilben, kratze unbemerkt zu stark und bekomme dadurch sogar blaue Flecken. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal ein Antiallergikum aus der Apotheke ausprobiert – und es hat mir wirklich Erleichterung verschafft. Zusätzlich hat mir eine antiseptische Wundcreme (z. B. Bepanthen) gegen den Juckreiz geholfen. Auch diese kann – nach Rücksprache mit dem Tierarzt – bei Hunden angewendet werden, solange darauf geachtet wird, dass sie nicht sofort wieder abgeschleckt wird.

Ach und was mir gerade noch kommt… Einige von euch haben vielleicht schon einen elektronischen Stichheiler (z. B. Bite Away) zuhause. Die Geräte werden kurz heiß und sollen die Stoffe in der Haut neutralisieren, die den Juckreiz verursachen. Ich frage mich, ob das auch gegen Herbstgrasmilbenbisse hilft? Vermutlich schon – ausprobieren kann ich es selbst halt leider nicht, weil ich ein ziemlicher Schisser bin, was diese MASSIVEN HAUTVERBRENNUNGEN (haha) angeht. 😅 Aber wer so ein Gerät nutzt, darf gern berichten, ob es auch bei Milbenstichen Erleichterung bringt. Vielleicht überlege ich mir dann doch mal, mir auch so einen elektrischen Hautverbrenner zuzulegen … 😂

Ganzheitliche Perspektive

Zu guter Letzt: Herbstgrasmilben sind nicht nur ein Hautthema, sondern auch ein mächtiger Stressfaktor. Je nachdem, wie sensibel dein Hund generell ist, kann akuter Juckreiz durch die Bisse dazu führen, dass er schneller gereizt oder reaktiver wirkt als sonst. Im Spätsommer/Herbst kann also hinter plötzlich auffälligem Verhalten schlicht ein unentdeckter Herbstgrasmilbenbefall stecken.

Also denk daran: Wenn dein Hund gerade Herbstgrasmilben hat, dann kann dieser Juckreiz seine Belastbarkeit insgesamt herabsetzen – Situationen, die sonst kein Problem mehr waren, können dann vorübergehend wieder schwerer fallen.

Herbstgrasmilben bleiben ein echt lästiges Thema – aber das „Gute“ daran ist, dass es im Oktober meist vorbei ist und sich die Haut dann auch wieder erholt. Mit den Jahren haben wir vieles ausprobiert, und mittlerweile kommen wir mit unserem Umgang damit ziemlich gut klar. Also: nervig, ja – aber zum Glück auch zeitlich begrenzt und sehr gut in Schach zu halten.


Beitrag von Sophia Bauer

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